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Verpackungswende jetzt: WWF fordert mit Studie kommende Bundesregierung zu aktivem Handeln auf

17.08.2021 − 

Der WWF hat die Studie "Verpackungswende jetzt!" veröffentlicht. Darin wird die kommende Bundesregierung aufgefordert, mehr verbindliche und überprüfbare Ziele für Kunststoffverpackungen zu etablieren. Das betrifft sowohl den Materialeinsatz, das Desgin und die Vermeidung von Verpackungen als auch die Reduktion des Gesamtabfallaufkommens und der Exporte von Kunststoffabfällen.

Die bestehenden Verpflichtungen - einschließlich verbindlicher politischer Vorschriften und freiwilliger Initiativen der Industrie - reichen der Studie zufolge nicht aus, um den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft im Verpackungswesen zu ermöglichen. Würden in einem "Best Case"-Szenario bis 2040 alle aktuellen Verpflichtungen vollständig umgesetzt und verwirklicht, so würden sich zwar die gesamten Recyclingmengen erhöhen, aber die durch Kunststoffverpackungen verursachten Abfallmengen würden bis dahin um lediglich 5 % zurückgehen. Die energetische Verwertung würde im Vergleich mit 2019 um 15 % reduziert, während der Verbrauch von Neukunststoffen um 4 % steige.

Die Schlagworte sind Design for Recycling, Verzichten, Substituieren, Wiederverwenden

Der WWF Deutschland formuliert mehrere Hebel, die angesetzt werden sollten. Dazu zählt das Vermeiden und Minimieren „unnötiger“ Verpackungen. Wie es in der Studie heißt, fehle es an Leitlinien im Hinblick darauf, was als unnötige Verpackung gilt. Standardisierte Richtlinien und Bewertungsmethoden seien notwendig. Die Politik müsse die Umsetzung entsprechender Normen durchsetzen.

Ein weiterer Aspekt sei der Ersatz oder die Substitution von Einwegverpackungen aus Kunststoff durch Papier oder biobasierte Materialien. Wie es im Rahmen der Pressekonferenz anlässlich der Veröffentlichung der Studie hieß, könnten knapp 10 % der Kunststoffverpackungen durch Papier substituiert werden.

Ein Ansatzpunkt sei zudem ein recyclinggerechtes Design. Allein der Ausstieg aus Materialien mit Multipolymeren könnte die Erträge beim werkstofflichen Recycling im geschlossenen Kreislauf um 185.000 t (30 %) erhöhen, heißt es. 

Chemisches Recycling könnte gangbarer Weg zur Kreislaufführung werden

Auch mit den Maßnahmen zur Vermeidung, Reduzierung und Substitution bleiben nach der WWF-Studie 593.000 t Abfälle aus aus Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff übrig, die sich nur „downcyceln“ oder verbrennen lassen. Die Technologien für das chemi­sche Recycling seien zwar noch nicht vollständig ausgereift und die Kosten und Treibhausgasemissionen müssen noch bewertet werden. Dennoch könnte chemisches Recycling einen gangbaren Weg für die Stärkung des Kreislaufprinzips bei Lebensmittelverpackungen darstellen, solange sich die aktuellen EFSA-Vorschriften nicht ändern.

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