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Papierverbunde: Aussagen der ZSVR basieren auf UBA-Studie und Mengenstromnachweisen der Systeme

10.09.2020 − 

In den EUWID-Gesprächen mit der Industrie, Verbänden und weiteren Institutionen zum Thema faserbasierte Verpackungen zeigt sich, dass definiert werden muss, worüber eigentlich gesprochen wird. Faserbasiert und beschichtet ist nicht per se ein Verbund und schlecht recycelbar.

Laut GVM im Jahr 2011 – der Branchenangaben zufolge letzten verfügbaren Auflistung - sind „faserbasierte Verpackungen mit Kunststoffbeschichtung“ ein Überbegriff für Produkte aus rund 22 Sparten. Neben Lebensmittelverpackungen gehören dazu auch mit Kunststoff beschichtete Faserverpackungen für Kosmetik, Körperpflegeprodukte,  Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel, medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse, Tabakwaren, Baustoffe, Haushalts- und sonstige Non-Food-Verpackungen. Diese Produkte sind „faserbasierte Verpackungen mit Kunststoffanteil“, jedoch nicht per se Verbunde oder schlecht zu recyceln.

Definiert sind Verbunde als Verpackungen aus unterschiedlichen, von Hand nicht trennbaren Materialarten, von denen keine einen Masseanteil von 95 % überschreitet, auch als 95/5-Regel bekannt. Aber für alle Packmittel - ganz gleich ob Papier oder Kunststoff - gilt auch, dass sie als Monomaterial gelten, wenn sie die 95/5-Regel erfüllen. Aber das alles würde noch nichts über ihre Recyclingfähigkeit aussagen, heißt es aus der Branche.

Die Aussagen der ZSVR im Rahmen der Pressemitteilung vom 1. September basieren auf drei Säulen. Das sind zum einen die Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA) aus der Studie „Aufkommen und Verwertung von Verpackungsabfällen in Deutschland“ für das Jahr 2017, zum anderen die noch nicht abschließend ausgewerteten Mengenstromnachweise der Systeme. Auch Stimmen aus der Entsorgungsindustrie ergänzen die Einschätzung der ZSVR zu Verbunden.

Europäische Verbände der Papierindustrie haben Anfang des Jahres in ihren Paper-Based Packaging Recyclability Guidelines erklärt, wie beschichtete Verpackungen gestaltet sein müssen, um eine Verwertung durchlaufen zu können. Bezogen auf die Beschichtung sollte diese einseitig sein und im Pulper nicht in zu kleine Teile zerfallen. Klebstoffe zwischen Folie und Papier müssen optimiert werden oder bestenfalls sollen beide Lagen einfach zu trennen sein.

Wann eine Verpackung im deutschen Markt als recyclingfähig gilt, legen die Mindeststandards der ZSVR fest. Aber auch die Prüfung der Verpackungen kann keine und für alle beschichteten Faserverpackungen einheitliche Aussage zur Recyclingfähigkeit von PPK-Verpackungen treffen. EUWID-Gespräche mit dem Markt zeigen, dass mancher Verbund besser zu recyceln ist als Monomaterial nach 95/5.

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