Die EU-Ökodesignverordnung (ESPR) soll umweltfreundliche und zirkuläre Produkte im europäischen Binnenmarkt zur Norm machen. Konkret wird es aber erst produktweise über Delegierte Rechtsakte. Laut Zeitplan stehen 2026 zuerst Eisen und Stahl an, gefolgt von Textilien, Reifen und Aluminium im Jahr 2027. Ein im Dezember veröffentlichtes Methodenpapier des Joint Research Centre (JRC) adressiert nun zentrale Umsetzungsfragen: Nach welchen Kriterien und Klassen lässt sich die Nachhaltigkeitsleistung von Produkten bewerten – und welchen Inhalt könnte ein ESPR-Label haben? Es soll klare, leicht verständliche Signale für die Verbraucher liefern und zugleich mit dem Digitalen Produktpass zusammenspielen, der die Datentiefe ergänzt.
Für Industrie und Handel ist die neue Definitionslogik relevant, weil die entwickelten Maßstäbe Vergleichbarkeit schaffen und künftig möglicherweise Investitionen lenken. Auch über Gebührenmodelle – Stichwort erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) und Ökomodulation – könnte sich das niederschlagen. Für Recycler und Entsorger ist der Ansatz perspektivisch ebenfalls interessant: Wenn Informationen zur Zirkularität systematisch sichtbar gemacht werden, beeinflusst das Abfallströme, Sortierbarkeit, Output-Qualitäten – und damit Kosten und Erlöse entlang der Verwertungskette.
Das JRC liefert mit dem vorliegenden Papier keinen fertigen Kriterienkatalog, sondern eine flexible Methodik, um Regeln zu Klassen, Schwellenwerten oder Kennzeichnungen auf unterschiedliche Produktgruppen anzuwenden. Zunächst sollen in vorbereitenden Studien die jeweils relevanten Aspekte ausgewählt werden. Darauf aufbauend skizziert der Bericht, wie sich daraus eine Einteilung in Klassen ableiten lässt, etwa über einen Umweltscore, der auf dem sogenannten Product Environmental Footprint (PEF) basiert, oder über Kreislaufindikatoren wie Haltbarkeit, Reparatur- oder Recyclingfähigkeit. Für die reine technische Leistung (z.B. Akkulaufzeit, Rechenleistung oder Druckfestigkeit bei Baumaterialien) empfiehlt das JRC keine Klassenbildung, um den Fokus auf die Nachhaltigkeit nicht zu verwässern.
Das künftige ESPR-Label soll wenige Kernaussagen übersichtlich bündeln. Vorgeschlagen wird dabei eine Skala von A bis E – vergleichbar mit dem bekannten Klassensystem von A bis G in Bezug auf Energieeffizienz. Der Digitale Produktpass untermauert dies durch Detail- und Nachweisdaten. Das vollständige JRC-Papier als Grundlage für kommende Rechtsakte steht auf der Homepage der Europäischen Kommission zum Download bereit.
Parallel zur Methodik lässt die EU über ein Konsortium um das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) bis Mai zudem Empfehlungen für Layout und Design des ESPR-Labels erarbeiten – gestützt unter anderem auf Stakeholder-Konsultationen, Fokusgruppen und länderübergreifende Verbraucherbefragungen. Der Auftrag beinhaltet laut Angaben des Forschungsinstituts auch die Vorbereitung eines Rechtsakts zur Label-Gestaltung.