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Mineralölproblem: Anbieter von Barrierelösungen bestätigen, dass ihre Produkte eingesetzt werden

30.05.2016 − 

Im Mai 2016 diskutiert Deutschland noch immer über eine möglicherweise bevorstehende Mineralölverordnung.

Der dritte Entwurf dieser geplanten Regelung („Zweiundzwanzigste Verordnung zur Änderung der Bedarfsgegenständeverordnung“) liegt nunmehr seit dem 25. Juli 2014 vor, ein vierter Entwurf befindet sich noch immer in Vorbereitung. Wie in der Erstfassung des Entwurfs vom Mai 2011 hatte das zuständige Ministerium im dritten Entwurf die Festlegung von spezifischen Grenzwerten für die Migration von MOSH und MOAH vorgeschlagen. Um diese Grenzwerte einzuhalten, muss der Inverkehrbringer laut dem Entwurf geeignete Unterlagen erstellen und vorrätig halten, welche die Einhaltung dieser Werte belegen. Dabei könne es sich zum Beispiel um Belege handeln, dass in dem jeweiligen Lebensmittelbedarfsgegenstand eine funktionelle Barriere vorhanden ist.

EUWID Verpackung hatte bereits im Sommer 2013 nachgefragt, wie es die Papier-, Karton- und Faltschachtelindustrie mit der Entwicklung solcher funktionellen Barrieren für ihre Produkte hält. Schon damals hieß es, dass Lösungen im Markt angeboten würden. Diese Lösungen wurden inzwischen weiterentwickelt und der eine oder andere Anbieter ist neu hinzugekommen. Wieder andere haben Abstand davon genommen, beispielsweise die Kartonfabrik Buchmann GmbH, Annweiler, die sich vor drei Jahren mit der Entwicklung eines Recyclingkartons mit funktioneller Barriere befasst hatte.

Unterschiedliche Systeme stehen dem Markt
zur Verfügung

Was die aktuell angebotenen Barrierelösungen angeht, so ist grundsätzlich zwischen extrusionsbeschichteten Faltschachtelkartons/Verpackungspapieren und Faltschachtelkartons/Verpackungspapieren mit einer Mineralölbeschichtung auf wässriger Basis zu unterscheiden, die direkt bei der Kartonproduktion appliziert wird. Von der Kartonindustrie angeboten werden zudem Lösungen, die Aktivkohle in der Mittellage des Kartons haben, so genannte Mineralöladsorber. Möglich ist darüber hinaus aber auch die Applizierung einer Mineralölbarriere während des Druckprozesses beim Hersteller von Faltschachteln oder Wellpappeverpackungen.

EUWID hat das Thema nun erneut aufgegriffen und wollte im Rahmen einer kleinen Umfrage wissen, wie es – angesichts der noch immer fehlenden spezifischen gesetzlichen Regelung - mit dem Interesse an solchen Barrierelösung seitens der abfüllenden/abpackenden Industrie aussieht und ob solche Produkte denn überhaupt schon in Supermarktregalen stehen. Auch geht es darum zu erfahren, welche Vor- oder Nachteile die jeweiligen Lösungen bieten. Was die vorhandenen Lösungen im Markt betrifft, so erhebt die Umfrage keinen Anspruch auf Vollständigkeit.  Und, um es gleich vorweg zu nehmen: Bis auf eine Ausnahme verweisen die befragten Papier- und Kartonhersteller bei der Frage nach den Anwendern auf „Vertraulichkeitsvereinbarungen“ oder „Geheimhaltungsverträge“.

Barrierelösungen auf wässriger Basis sind
eine Option

Erfreulich offen zeigt sich nur die Mayr-Melnhof Karton GmbH, Wien. Ihr Barrierekarton „Foodboard™“ ist seit Ende 2015 im kommerziellen Maßstab erhältlich und steht seit dem 1. Quartal dieses Jahres im Verkaufsregal. Ab dem 3. Quartal wird er von der Ostfriesischen Teegesellschaft (OTG), einem der führenden Teeanbieter in Europa, verwendet. Laut MM Karton wird er darüber hinaus von multinationalen und internationalen Lebensmittelherstellern eingesetzt, beispielsweise in Frankreich.

„Foodboard™“ wird inline über Streichaggregate mit brauner Rückseite (GT4) sowie mit heller Rückseite (GT1) im österreichischen Stammwerk in Frohnleiten hergestellt, die Produktionskapazität liegt bei 300.000 jato. Das Produkt eignet sich für den Einsatz in verschiedenen, vor allem trockenen Lebensmitteln.

Der Vorteil dieser Barrierelösung liegt nach Auffassung des Unternehmens darin, dass es sich um ein Monomaterial handelt, also um eine reine Kartonlösung und nicht um einen extrudierten Verbund oder um kaschiertes Laminat. Weitere Vorteile seien die zahlreichen Laboranalysen und durchgeführten Langzeitserientests auf Kundenseite. Diese hätten eine verlängerte Mindesthaltbarkeitsdauer für einige verpackte Lebensmittel bestätigt.

Entlang der Lieferkette hat MM Karton zudem erstmals ein holistisches Sicherheitskonzept implementiert. Zu den Kernkomponenten dieses Konzepts gehört unter anderem die lückenlose Rückverfolgbarkeit jeder einzelnen Palette mit Hilfe der „Foodboard™“-App auf Tablets, mit denen das Unternehmen Faltschachtelhersteller ausstattet, die eigens für die Verwendung des Barrierekartons zertifiziert werden.

Ebenfalls eine Barrierelösung auf wässriger Basis gegen Mineralölmigration bietet die Moritz J. Weig GmbH & Co. KG, Mayen, mit ihrem Produkt „Unifood“ an. Der Barrierekarton eignet sich für den Kontakt mit trockenen, nicht fettenden Lebensmitteln und ist als Variante mit grauer Rückseite bereits seit über drei Jahren, mit weißer Rückseite seit etwa einem Jahr erhältlich. Laut dem Unternehmen wird er „in regelmäßigen Abständen“ im Kartonwerk Mayen produziert.

Anwender von „Unifood“ gebe es bereits, versichert Weig. Aufgrund von Vertraulichkeitsvereinbarungen könnten diese aber nicht namentlich genannt werden. Es handle sich aber um „bekannte Markenhersteller, die im Sinne des Verbraucherschutzes planen, ganze Produktlinien umzustellen“. Darüber hinaus befinde sich „Unifood“ in zahlreichen europäischen Ländern in industriellen Testphasen. Einen wesentlichen Vorteil seiner Barrierelösung sieht das Unternehmen darin, dass das Herstellungsverfahren „sehr ähnlich dem eines anderen Marktteilnehmers“ sei und es somit auf Kundenseite eine gewünschte Versorgungssicherheit gebe.

Mit einer Barrierelösung versehene Wellpappeverpackungen bietet der österreichische Verpackungshersteller Dunapack Mosburger, Wien, an. Die Verpackungen werden dabei laut dem Unternehmen mittels wässriger Dispersion an der Lebensmittelkontaktseite bedruckt, um die Migration unerwünschter Stoffe ins Lebensmittel zu verhindern. Je nach Verwendungszweck werde die Barriere kundenspezifisch produziert. Somit könnten sowohl trockene als auch fetthaltige Produkte für einen gewissen Zeitraum wirksam geschützt werden. Die Wellpappeverpackung, welche im Werk der Mosburger GmbH in Wien gefertigt wird, ist nach Unternehmensangaben „ab sofort“ erhältlich.

Adsorber im Karton sind auch möglich

Auf die Adsorptionstechnologie setzt dagegen die Smurfit Kappa Deutschland GmbH, Hamburg, mit ihrem Produkt „Catcherboard MB 12“. Dem Unternehmen zufolge kann die MB 12 Adsorptionstechnologie in allen Papier- und Kartonsorten eingesetzt werden, so dass sowohl Faltschachteln und Vollpappen als auch Wellpappen mit der dieser Technologie ausgerüstet werden können.

Smurfit Kappa zufolge können alle bestehenden Verpackungskonstruktionen beibehalten werden und die physikalischen Eigenschaften der Verpackung ändern sich nicht. Es seien keine Veränderungen in der gesamten Verarbeitungs-Prozesskette notwendig (Leimung, Rillung und Design). Die Migration von organischen Substanzen werde auch über die Kartonkanten, Perforationen und Rillungen verhindert.

„Catcherboard MB 12“ wird seit 2015 in mehreren Papier- und Kartonwerken des Konzerns im kommerziellen Maßstab hergestellt. Produkte mit dieser Barrierelösung finde man auch bereits im Supermarkt. Wegen Geheimhaltungsverträgen  dürfe man aber die Abfüller bzw. Abpacker nicht namentlich nennen, sagt das Unternehmen.

Extrusionsbeschichte Produkte werden
von zahlreichen Herstellern angeboten

Eine Barrierelösung auf Extrusionsbeschichtungsbasis bietet die Van Genechten Packaging GmbH (VGP), Kempten, mit ihrem, in Kooperation mit der BASF, Ludwigshafen, entwickelten Produkt „WLC Food Safe®“ an. Das Produkt, welches EUWID schon im Rahmen der Umfrage von 2013 vorgestellt hatte, eignet sich nicht nur für trockene, sondern auch für fettende Lebensmittel. Die Barrierebeschichtung wird bereits seit 2012 im kommerziellen Maßstab von der VGP-Tochter VG Extrusion Gmbh & Co KG in Kempten erzeugt. Die Weiterverarbeitung zur Faltschachtelverpackung erfolgt in allen VGP-Faltschachtelwerken in Europa.

Abfüller bzw. Abpacker, die dieses Produkt einsetzen, gebe es auch schon seit 2012, bestätigt das Unternehmen. Weitere Details verrät VGP nicht, nur soviel, dass das Produkt im deutschen Handel zu finden sei.

Zu den Vorteilen von „WLC Food Safe®“ zähle, dass das Risiko einer Zerstörung der Barriereeigenschaften durch die mechanische Beanspruchung beim Verarbeiten (Drucken, Stanzen, Rillen, etc.) sehr gering sei. Es könnten alle Arten von Karton (Recycling/Frischfaser) von allen Kartonherstellern mit der Barriereschicht produziert werden, heißt es aus Kempten.

Sowohl Recycling- als auch Frischfaserkartons können auch im Falle von „Walki Pack Most“ der finnischen Walki Group, Espoo, eingesetzt werden. Es handelt sich dabei um eine Co-extrudierte Polymer-Barrierelösung. Die Vorteile des Produkts liegen dem Unternehmen zufolge darin, dass es, neben der Bereitstellung einer effizienten Barriere gegen die Mineralölmigration auch weitere vielseitige Barrieren z.B. gegen Wasserdampf und Fett bietet.

Im kommerziellen Maßstab wird „Walki Pack Most“ allerdings noch nicht hergestellt, wenngleich die technischen Voraussetzungen im vorhandenen Maschinenpark in deutschen und finnischen Werken vorhanden seien. Zahlreiche Abfüll- und Lagertests hätten die Effektivität des Produktes bestätigt. „Leider reagiert der Markt noch zögerlich auf eine Umstellung“, räumt das Unternehmen ein. Es sei davon auszugehen, dass der Einsatz des Produkts von den gesetzlichen Vorgaben abhänge.

Eine Barrierebeschichtung zur Verhinderung der unerwünschten Migration von Mineralölbestandteilen bietet auch der Verpackungskonzern Mondi Group, Wien, mit seinem Produkt „Miprotex“, das seit 2013 im kommerziellen Maßstab in den Werken Mondi Coating Zeltweg und Mondi Coating Steti produziert wird, an. „Miprotex“ wird auf Karton oder Papier beschichtet und als fertiger Verbund an die Kunden geliefert. Um welche Kunden es sich handelt, möchte das Unternehmen allerdings nicht preisgeben.

Die Barrierebeschichtung eignet sich für den direkten Kontakt mit trockenen Lebensmitteln und auch für Sekundär- und Transportverpackungen. Möglich sei der Einsatz auch bei Verpackungen, die erhöhten Temperaturen ausgesetzt werden, wie beispielsweise Pizzaschachteln oder Verpackungen für Burger.

Zu den Vorteilen  von „Miprotex“ gegenüber anderen Barrierelösungen gehört Mondi zufolge unter anderem die Kosteneffizienz des Produkts. So müssten die Kunden mit keinen Zusatzkosten rechnen, heißt es.

Einige Lösungen für die Karton- und
Faltschachtelindustrie auf dem Markt

Papier- und Kartonhersteller, die ihre Produkte mit einer Barriere gegen Mineralöl und andere Kontaminanten ausstatten möchten, finden heute eine Reihe von Angeboten im Markt. Eines davon ist die von der Schweizer Omya International AG, Oftringen, in Kooperation mit der BASF, Ludwigshafen, entwickelte Coater-Ready-Barriere-Lösung „Extomine® BM-EM 50%“.

Laut dem Unternehmen handelt es sich eine wässrige Dispersion eines Polymers auf Basis von Acryl- und Methacrylsäureester sowie verschiedenen Spezialpigmenten zur Reduzierung der Verblockungsneigung und Erlangung einer Barriere gegen die Migration von unerwünschten Substanzen. „Extomine® BM-EM 50%“ ist seit mehr als 18 Monaten im kommerziellen Maßstab verfügbar und wird am deutschen Standort in Emden produziert.

Omya zufolge wurde das Produkt in erster Linie für den Einsatz beim Kartonhersteller entwickelt. Dieser hat dann – je nachdem ob es sich um Recycling- oder um Frischfaserkarton handelt – die Wahl, ob er die Barriere auf der dem Lebensmittel abgewandten oder zugewandten Seite aufbringt. Evaluiert werde derzeit die Möglichkeit, das Produkt beim Faltschachtelhersteller im Druckprozess aufzubringen, erklärte das Unternehmen gegenüber EUWID.

Eine wässrige Dispersion für die Beschichtung eines Kartons, „Epotal® SP 101D“, hat auch der Chemiekonzern BASF für die Verpackungsindustrie in seinem Portfolio. Darüber hinaus bietet das Unternehmen zur Extrusionsbeschichtung eines Kartons mit einem Polymer die Produkte „Ultramid® B27“ als auch „ecovio®  PS 1606“ an. Die Barriereprodukte, welche allesamt kommerziell verfügbar sind, eignen sich BASF zufolge grundsätzlich für alle trockenen Lebensmittel. „Epotal® SP 101D“ könne zudem auch in leicht modifizierten Flexodruckanlagen verarbeitet werden, sagt der Konzern.

Über konkrete Kosten spricht man nicht gern

Über die Zusatzkosten, die sich durch die Verwendung von mit funktionellen Barrieren ausgestatteten Produkten ergeben, möchten sich die meisten Anbieter nicht konkret äußern. Es sei keine allgemeine Aussage möglich, da die Kosten individuell von unterschiedlichen Parametern abhängen, sagte ein Produzent. Aufgrund kundenindividueller Spezifikationen seien die Mehrkosten „pauschal nicht zu benennen“, sagte ein anderer. „Wir reden lieber über Zusatznutzen“, brachte es ein weiterer Anbieter auf den Punkt.

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